Der Kirchenpatron Heiliger St. Jost

Eigentlicher Name: Jodokus; andere Namen gleicher Bedeutung: Jost, Iudocus, Josse, Just, Jobst, Jox. Fest am 13. Dezember.

Leben und Legenden sind ineinander verwoben: Jodokus, geboren um 600, stammt aus einem bretonischen Adelsgeschlecht; als bretonischer Königssohn verzichtet er wie sein älterer Bruder, der in ein Kloster eingetreten ist, auf die Herrschaft. Er hatte mit sich vorher in der Einsamkeit um den Entscheid gerungen. Zum Zeichen des Verzichts stellte er die ihm angebotene Krone auf die Erde. Er flieht von zu Hause, wählt den geistlichen Stand und schliesst sich Rom-Pilgern an. Er ist der Gründer der Einsiedelei RuniacLesen Sie den ganzen Artikel auf wikipedia.org, aus der später das Benediktinerkloster Saint-Josse-sur-MerAbtei am Ärmelkanal, in der ab 1134 bis zur Schliessung um 1775 die Skelettreste des hl. Jost in einem Schrein aufbewahrt wurden. hervorging. Gestorben ist er 669.

Dargestellt wird er als Einsiedler, Pilger oder Priester, die Krone zu Füssen; er stösst mit dem Stab in die Erde, woraus eine Quelle entspringt. Er ist Patron der Pilger, Schiffer, Siechenhäuser; als Fürbitter wurde er angerufen gegen Krankheiten, Pest und Fieber, Feuersbrunst, Getreidebrand, Gewitter, für die Ernte und Feldfrüchte. Er wird auch von heiratswilligen Mädchen angerufen.

Quelle: Kirchenführer Blatten – Malters – Schachen, Kunstverlag Fink (Dr. Lothar Emanuel Kaiser)

 

Weitere Patroninnen und Patrone

Die heutige Kirche St. Jost geht ursprünglich auf die von Hartmann Krämer aus Blatten (Brunau) gestiftete Kapelle zurück. Am 5. Mai 1391 weihte Heinrich Zirker, Weihbischof von Konstanz, die Kapelle zu Ehren von Jungfrau Maria, Jost, Dorothea und Barbara.
Die Kapelle wurde für die vielen Pilger zu klein, deshalb wurde sie laufend umgebaut und vergrössert.

Am 24. Oktober 1511 wurde die Kirche mit drei Altären vom Weihbischof Balthasar Brennwald geweiht.
Der Choraltar war geweiht zu Ehren von Jodok (Jost) und Helene,
der rechte Seitenaltar von Peter und Paul, Bartholomäus, Apostel Matthias, Johannes der Täufer, 10'000 Märtyrer, Christophorus, Nikolaus, Antonius Abbas, Petronella, Verena.
Der linke Seitenaltar von: Jungfrau Maria, Evangelisten Johannes und Markus, Egidus, 11'000 Jungfrauen, Margaretha, Apollonia, Ottilia, Maria Magdalena. In Blatten feierte man bereits regelmässig Gottesdienste.

Quellen: Barbara Hennig, Kunstdenkmäler Amt Luzern-Land; Hans Schmidlin, Malters

 

   

Die ursprüngliche Marienfigur kehrt zurück

Die Kirche Blatten wurde 1391 nebst dem heiligen Jost auch Maria geweiht. 1642 wurden die beiden - Maria und Jost - gewidmeten Seitenaltäre geschaffen und damit wohl auch die entsprechenden Heiligenfiguren. Im Archiv findet sich nur eine Pauschalrechnung für die neuen Altäre samt Bildhauerarbeiten, die keinen Aufschluss über die Marienfigur gibt.
 

Mariengewänder

Ab 1646 sind mehrfach wiederkehrend Rechnungen für Gewänder einer Maria bei den Akten. Somit muss es sich bei der Heiligenstatue um eine sog. Ankleidemadonna gehandelt haben. Solche Statuen wurden jeweils bei Prozessionen mitgetragen, wie sie für Blatten dokumentiert sind. Es ist nicht ganz klar, ob die Ankleidemadonna 1715 durch eine neue Ankleidemadonna ersetzt wurde. Laut dem 1877 aufgenommenen Inventar gab es in der Kirche nun eine Vollskulptur-Maria, während darin weder eine Ankleidemadonna noch Kleiderrechnungen erwähnt sind. Bis zur Renovation 1960 stand diese stilistisch aus dem 19. Jh. stammende Marienfigur im linken Seitenaltar. Wegen angeblich mangelnder Wertschätzung wurde auf Veranlassung von Baukommissionspräsident und Antiquitätenhändler Achermann damals die Marienfigur durch eine - allerdings weniger wertvolle - Statue aus dem Kunstmarkt ersetzt, die bis 2010 den linken Seitenaltar zierte. Über den Verbleib der seinerzeitigen Ankleidemadonna gibt es keine Hinweise in den Archivakten; darum gilt es als wahrscheinlich, dass sie in den Handel gelangte.
 

In Privatbesitz

Die Mutter von Architekt Gabriel Wey, eine Marienverehrerin, erwarb Ende der 40er-Jahre von Antiquitätenhändler Lörch aus Rotkreuz/ZG eine Ankleidemadonna, die sie inzwischen ihrem Sohn vererbte. Laut brieflicher Zusicherung stammte diese Madonna ursprünglich aus Blatten. Im Zuge der jetzigen Renovationsarbeiten gewann Architekt Wey die Überzeugung, dass die ihm gehörende Ankleidemadonna tatsächlich aus Blatten stammen muss. Es zeigte sich z.B., dass die Konsole des Marienseitenaltars nicht für eine Vollskulptur, sondern eine viel leichtere, für Prozessionen gebrauchte Ankleidemadonna geschaffen war und weder zur bisherigen noch vorherigen Statue passte. Der eidgenössische Experte und die Denkmalpflegerin teilen mit Architekt Wey die Überzeugung, dass dessen Ankleidemadonna im 17. Jh. geschaffen worden sein muss und eine grosse Verwandtschaft zu den wertvollen, damals von Bildhauer Hartmann gefertigten Skulpturen aufweist. Dass seine Madonnenstatue aus Blatten stammen dürfte, zeigte sich beim erstmaligen Aufstellen im Seitenaltar: der am Rücken der Madonna angebrachte Befestigungshaken passt genau in eine auf derselben Höhe in der Altarnische gefundene Flickstelle.
 

Die Ankleidemadonna ist zurück

Da Baukommission, Gemeindeleiter Zemp und der Kirchenrat es mit Zustimmung der Denkmalpflege einhellig begrüssen, schenkt Architekt Wey die Ankleidemadonna der Kirchgemeinde Malters, nicht zuletzt auch aus Freude darüber, dass die Statue damit wohl an ihren angestammten Platz zurückkehrt. Darum wird ab der Einweihung im Marienseitenaltar eine Ankleidemadonna stehen, während die bisherige Statue in der Sakristei einen Platz findet.